tarir une Naïade

Vorwort

tarir une Naïade entstand zwischen Sommer 2012 und Herbst 2013. Das Fundament des II. Satzes bildet ein gleichnamiges Stück für Flöte solo, welches als poetischer Kern des Zyklus verwurzelt liegt. Diesem Ausgangsbild, das auf die Sterblichkeit der Najaden verweist, entkeimten vier weitere Sätze, welche einerseits poetische wie musikalische Anknüpfungspunkte suchen und das Stück zu einer abgerundeten Einheit formen, andererseits zugleich eigenständige und voneinander weitgehend unabhängige Klangbilder darstellen.

Einem gleißend schreienden Initialklang entwächst ein kurzes Wechselspiel aus Agitato- und Tranquillo-Abschnitten. Eine Akkordverdichtung führt beide Ideen als Synthese zusammen, ehe zwei schroff angeschlagene tiefste Klaviertöne trocken das Ende des Satzes abstecken.

Elegisch leuchtet der zweite Satz jenes Bild aus, wonach Najaden zusammen mit dem Gewässer, über das sie wachen, versiegend, versickernd oder verfließend sterblich bleiben – tarir une source bedeutet eine Quelle versiegen lassen. Dieses „Lamento“ nimmt sehr verschwommen Bezug zu Claude Debussy’s Syrinx für Flöte solo.

Der dritte Satz rückt farbige Glockenklänge und friedvolle Harmonien einerseits, andererseits hingegen furiose, bisweilen iberische Anklänge suchende, rhythmisch stark akzentuierte Klanggestalten con fuoco in den Fokus. Streng koordinierte Abschnitte und Passagen im aleatorischen Kontrapunkt fügen sich dabei nahtlos aneinander.

Ein sternklarer Mitternachtshimmel wölbt sich bukolisch funkelnd über den Beginn des vierten Satzes, bis unter polterndem Getöse die dreizehnte Stunde hereinbricht. Ein gespenstisch-lyrisches Intermezzo verklärt die Szenerie in ein surreales Idyll, doch die aufgewühlten Geister kehren zurück und lassen ihr wüstes Treiben mit ekstatischem Glockengeläute ausufern.

Über dem rauschenden Lichtermeer einer schlafenden Stadt umschwirren Fledermäuse einen Campanile. Von der Piazza her dringen verhallende Schritte empor. Als verflossener Nachklang tönen jene versunkenen Glocken durch die Nacht, die mit der Erinnerung an C. D. und an die versiegten Najaden ausschwingen.

Das 2013–2014 entstandene Werk ist Karin und Doris Adam herzlich gewidmet.

Die Einspielung mit Karin und Doris Adam ist 2017 in der ORF Edition Zeitton erschienen.

Aufführungen

22. Jänner 2018
Radio Ö1, Zeit-Ton
Karin Adam, Violine
Doris Adam, Klavier

26. April 2014

Kottingbrunn, Kulturwerkstatt
Karin Adam, Violine
Doris Adam, Klavier

13. Oktober 2016

Wels, Musikschule
Karin Adam, Violine
Doris Adam, Klavier